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Bilder mit ohne Kinderwagen (Sommer in Fehmarn)

Ich sollte jetzt nicht posten. Zu viel Wichtiges ist zu tun. Ich muss meine Zeit gegen Geld tauschen, sonst langt’s nicht. Außerdem ist die Welt zu retten, vor allem der Journalismus. Und das jetzt, unbedingt jetzt, denn die Welt wartet nicht. Die postfaktischen Fakenews-Verbreiter warten nicht, nicht die Dummheit, die sich ausbreitet und wächst wie sonst nur die Entropie, wenn man sich nicht mit gehöriger Energie gegen den Zeitpfeil stemmt, und auch nicht diese Deadline, bis zu der mein Entwurf für die Rettung der Welt…

Und tatsächlich würde ich dies nicht posten, wären heute nicht zwei wunderbare Dinge passiert. Das eine ist eine SMS. Ein guter Freund schreibt. Gratuliert mir zum Geburtstag und wünscht mir etwas, das ich mir nur selbst erfüllen kann: In Zukunft mehr Zeit für mich. Ich antworte, scherze, die Zukunft sei ja lang, Hoffnung gebe es immer.

Shit. Wann beginnt die Zukunft?

Ich poste jetzt. 45 Minuten für mich und meine Bilder, hier, im zugigen Café in der Einkaufspassage, geht natürlich von der Mittagszeit ab, aber ey, egal, wer macht schon Mittag?

Viel ist es eh nicht, außer Kinderbildchen, was ich im letzten Lebensjahr fotografisch zustande gebracht habe. Auch auf diesen Fotos hier ist unser Sohn immer mit dabei, wenn auch unsichtbar. Meistens hatte ich den Kinderwagen an der einen Hand, schob den Kleinen über Fehmarn, wo wir im Frühsommerurlaub waren, und fotografierte mit der anderen Hand, wo ich eben ging und schuckelte.

Ausnahme sind die letzten beiden Bilder. Da habe ich den Wagen abgestellt. Ging nicht anders, als mich plötzlich am Südstrand dieses Flüchtlingsdrama-Szenario ansprang. Es passt gar nicht so recht zu den anderen Bildern (weder zu den hier gezeigten, noch zu den unzähligen weiteren Fotos von wallenden Getreidefeldern und Wolkenformationen, mit denen ich lieber niemanden langweilen will). Aber die Bilder müssen hier rein, weil das eigentlich die Art ist, wie ich fotografieren möchte. Nicht konstruiert, ausgewogen, wohl zurechtgerückt. Sondern spontan aus der Mitte der Menschen heraus.

Und das ist das zweite Wunderbare heute: Zum Geburtstag ein kleines Fotobuch von Martin Bogren über sein Projekt Tractor Boys, das eben dieses fotografische Gefühl in authentischer Reinform umsetzt. Bilder voller Kraft. Mich einmal so auf ein Projekt und seine Menschen einlassen können, wäre mein Traum.

Unsere Träume eilen uns voraus.

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